Notizen · Privatkliniken

Die erste Konsultation findet ohne Sie statt.

Patienten vergleichen Privatkliniken nachts am Smartphone, und was sie auf Ihrer Website finden, entscheidet, ob sie überhaupt buchen.

Daniel Esteban Feo6 Min. Lesezeit

Die erste Konsultation einer Privatklinik findet nicht mehr in der Klinik statt. Sie findet auf dem Bildschirm eines Smartphones statt, oft spätabends, wenn der Empfang längst geschlossen ist, und in der Sprache des Patienten, die nicht immer die Sprache Ihres Kantons ist. Niemand aus Ihrem Team ist dabei, um einen falschen Eindruck zu korrigieren oder eine Frage rechtzeitig zu klären.

Dafür brauche ich keine Statistik. Es genügt, sich zu fragen, wann ein vielbeschäftigter Mensch zwanzig Minuten für sich hat und wo er lieber über sein Gesicht, seinen Körper oder seine Gesundheit nachdenkt. Selten während der Bürozeiten, und selten vor anderen.

Das verändert, was eine Website für eine Klinik ist. Sie ist keine Broschüre mehr, welche die Konsultation begleitet. Sie ist die erste Konsultation, und sie findet ohne Sie statt.

Ein Vergleich im Stillen.

Wer eine Privatklinik sucht, vergleicht nicht wie jemand, der einen Flug bucht. Er öffnet mehrere Websites in verschiedenen Tabs und liest sie in Ruhe, manchmal über Tage. Er sucht nicht den tiefsten Preis, sondern weniger Ungewissheit. Er will wissen, wer ihn behandelt, wie der Ablauf aussieht und was es kostet, bevor er sich jemandem anvertraut.

Und er tut es, ohne ein Wort zu sagen. Anrufen, um eine Frage zu stellen, heisst bereits, einer fremden Person etwas Persönliches zu erzählen, und es ist verständlich, dass viele das erst tun, wenn sie sich entschieden haben. Sie vergleichen, ohne Spuren zu hinterlassen, und die Klinik, die sie nicht überzeugt, erfährt nicht einmal, dass sie da waren.

Das hat eine unbequeme Folge: Eine Klinik verliert Patienten, ohne es je zu bemerken. Diese Patienten tauchen weder in der Agenda noch im Posteingang auf. Sie haben einfach anderswo gebucht.

Eine Klinik verliert Patienten, ohne es je zu bemerken.

Fakten, die Patienten prüfen können.

In der Schweiz folgt dieser Vergleich zudem Regeln. Das Medizinalberufegesetz (MedBG) verpflichtet Personen, die einen universitären Medizinalberuf in eigener fachlicher Verantwortung ausüben, nur Werbung zu machen, die objektiv ist, dem öffentlichen Bedürfnis entspricht und weder irreführend noch aufdringlich ist (Art. 40 Bst. d). Über die Einhaltung wacht eine Behörde, die jeder Kanton bezeichnet (Art. 41).

Ich lese diese Bestimmung als Designer, nicht als Jurist, und ziehe daraus einen praktischen Schluss: Superlative helfen nicht. «Die beste Klinik in Zürich» oder «garantierte Resultate» sind rechtlich heikel, und sie überzeugen ohnehin niemanden, weil Patienten wissen, dass jede Klinik sie schreiben kann. Ein Superlativ verlangt Glauben, eine Tatsache lässt sich prüfen. Auf der Website einer Klinik sind es wenige, konkrete Tatsachen, die überzeugen:

  • Wer behandelt: Name, echtes Foto, Fachgebiet und Ausbildungsweg jeder Ärztin und jedes Arztes.
  • Wie der Ablauf aussieht, Schritt für Schritt, vom ersten Termin bis zur Nachkontrolle.
  • Was beim ersten Termin geschieht: wie lange er dauert und mit wem er stattfindet.
  • Was es kostet, oder zumindest, was jedes Programm umfasst, wenn die Klinik keine Preise veröffentlichen möchte.

Das MedBG selbst hilft beim ersten Punkt. Es schafft ein Register aller Personen, die einen universitären Medizinalberuf ausüben. Laut Gesetz dient es unter anderem der Information und dem Schutz der Patientinnen und Patienten, und die meisten Daten sind öffentlich im Internet zugänglich (Art. 51 und 53). Dieses Register heisst MedReg, wird vom Bundesamt für Gesundheit geführt und enthält Angaben zum Diplom und zur Weiterbildung jeder eingetragenen Fachperson. Eine Website, die vollständige Namen und Titel nennt, lädt dazu ein, sie zu prüfen. Schon diese Einladung schafft Vertrauen.

Ein Superlativ verlangt Glauben. Eine Tatsache lässt sich prüfen.

Das ersetzt nicht die Durchsicht durch Ihre ärztliche Leitung, die jeden medizinischen Satz vor der Veröffentlichung lesen sollte. Am gestalterischen Schluss ändert es nichts: Gesetz und Patient verlangen dasselbe.

Wer zuerst antwortet, gewinnt.

Sobald der Patient den Schritt wagt, läuft die Uhr. Im März 2011 veröffentlichte die Harvard Business Review den Artikel «The Short Life of Online Sales Leads» darüber, wie schnell Unternehmen auf Anfragen aus dem Internet reagieren. Laut den Autoren hatten Firmen, die innerhalb der ersten Stunde Kontakt aufzunehmen versuchten, eine fast siebenmal höhere Chance, die Anfrage zu qualifizieren, als jene, die es eine Stunde später versuchten. In einer Prüfung von 2241 Unternehmen antworteten 23 % nie, und bei jenen, die innert eines Monats antworteten, dauerte es im Schnitt 42 Stunden.

Diese Zahlen muss man mit Vorsicht lesen. Es geht um amerikanische Unternehmen aus vielen Branchen, und der Artikel ist über fünfzehn Jahre alt. Ich würde sie nicht unverändert auf eine Klinik in Zug übertragen. Ich übertrage die Richtung: Das Interesse eines Patienten kühlt in Stunden ab, nicht in Wochen, und die Klinik, die antwortet, solange er noch sucht, ist im Vorteil gegenüber jener, die am nächsten Tag antwortet.

In einer Klinik ist das eine Frage der Struktur, nicht des Willens. Der Empfang arbeitet tagsüber, der Patient vergleicht nachts. Eine automatische Antwort, die eine Rückmeldung «während der Bürozeiten» verspricht, ist ehrlich, schickt den Patienten aber zum nächsten Tab. Um elf Uhr nachts braucht es keinen Arzt. Es braucht eine Website, die das Praktische erledigt: freie Termine zeigen, die Buchung annehmen und die Bestätigung senden.

Was das von Ihrer Website verlangt.

Wenn die erste Konsultation ohne Sie stattfindet, muss Ihre Website tun, was Ihre beste Empfangsmitarbeiterin tun würde. Ich sehe drei Bereiche.

Die Sprachen. Patienten entscheiden in ihrer Sprache. In der Schweiz heisst das Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch, je nach Kanton, und oft eine weitere Sprache für jene, die aus dem Ausland kommen. Eine schlecht übersetzte Seite ist keine Nebensache: In der Medizin liest man Nachlässigkeit im Text als Nachlässigkeit in der Behandlung. Jede Fassung sollte wie ein Original geschrieben und von jemandem geprüft werden, der für ihren Inhalt einsteht.

Buchen ohne Anruf. Viele Patienten rufen nicht an, schon gar nicht ausserhalb der Öffnungszeiten. Die Website sollte erlauben, den ersten Termin nach Behandlung zu buchen, mit echter Verfügbarkeit und sofortiger Bestätigung. Das Telefon bleibt für alle, die es vorziehen. Ein KI-Assistent kann eine weitere Ebene hinzufügen, indem er praktische Fragen in der Sprache des Patienten beantwortet und direkt in die Agenda der Klinik bucht. Er stellt keine Diagnosen und ersetzt das Team nicht: Er ebnet ihm den Weg.

Die Gesundheitsdaten. Seit dem 1. September 2023 gelten Daten über die Gesundheit nach dem Schweizer Datenschutzgesetz (nDSG) als besonders schützenswerte Personendaten (Art. 5 Bst. c). Ein Formular, das nach dem Grund des Besuchs fragt, kann genau solche Daten erfassen. Ist für ihre Bearbeitung die Einwilligung des Patienten erforderlich, muss sie ausdrücklich erfolgen (Art. 6 Abs. 7). Ausserdem verlangt das Gesetz, den Datenschutz ab der Planung zu berücksichtigen und die Bearbeitung durch geeignete Voreinstellungen auf das nötige Mindestmass zu beschränken (Art. 7).

Für einen Designer ist diese letzte Pflicht die interessanteste, denn die Planung ist genau der Moment, in dem ein Formular entsteht. Nur das Nötige fragen, erklären, wozu, die Daten in der Schweiz hosten und wissen, welche Drittanbieter sie sehen: Das sind keine Formalitäten für den Schluss. Es sind Gestaltungsentscheide. In einer Klinik wird auch Diskretion gestaltet.

Eine Website, die zur Konsultation wird.

Meine Haltung ist einfach. Die Website einer Privatklinik in der Schweiz sollte nicht gestaltet werden wie die eines Hotels, mit grossen Bildern und vagen Versprechen. Sie sollte gestaltet werden wie eine gute erste Konsultation, die die Fragen wer, wie und wie viel mit Fakten und in der Sprache des Patienten beantwortet. Die Buchung sollte nicht von den Öffnungszeiten des Empfangs abhängen, und Daten sollten als das behandelt werden, was sie sind.

Dafür braucht es nicht mehr Technik. Es braucht mehr Urteilsvermögen darüber, was man sagt und in welcher Reihenfolge. Wer um Mitternacht Kliniken vergleicht, belohnt nicht die auffälligste, sondern jene, die ihn entscheiden lässt, ohne fragen zu müssen.

Nehmen Sie heute Abend um elf Ihr Handy und suchen Sie Ihr Fachgebiet und Ihre Stadt, so wie es ein Patient täte, der Sie nicht kennt. Geben Sie nicht den Namen Ihrer Klinik ein. Öffnen Sie die ersten drei Websites, Ihre eingeschlossen, falls sie erscheint, und geben Sie sich fünf Minuten für die Wahl.

Zu welcher würden Sie morgen zurückkehren? Warum? Und die unbequemste Frage: Was hätten Sie telefonisch fragen müssen, um sich für Ihre zu entscheiden?

Genau das prüfe ich zuerst in der Strategischen Diagnose, mit Ihrer Website und denen in Ihrer Region vor Augen.